Medizinische Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie (einschl. Arbeitsbereich Ernährungsmedizin) CBF
Institut für Klinische Physiologie / AB Ernährungsmedizin
  
  Krankheiten, die wir erforschen 
Info für Betroffene und Interessierte


  

 
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
    >  Colitis ulcerosa
    >  Morbus Crohn
Zöliakie (=einheimische Sprue)
Leckflux-Diarrhoe, eine "neue" Form von Durchfall

Familiäre Hypomagnesiämie, eine Erkrankung der Tight junctions der Nieren
>  Liste der eigenen Publikationen mit Bezug zur Niere: hier

Gesamtdarstellung unserer Forschungsthemen (nur in englisch)
Publikationsliste

   
Vorbemerkung: Unser Institut arbeitet eng mit den Kliniken der Charité zusammen, ist aber ein reines Forschungsinstitut.
Patienten werden daher bei uns nicht behandelt. 
Wenn Sie beraten oder behandelt werden möchten, wenden Sie sich bitte an unsere klinischen Kooperationspartner:
 
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Reviews: Mehrere Erkrankungen

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Die beiden wichtigsten sind Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Sie haben vieles gemeinsam: Es handelt sich bei beiden Erkrankungen um in Schüben verlaufende chronische Entzündungen des Darmes mit bisher nicht genau bekannter Ursache. Ein Ungleichgewicht zwischen den sogenannten pro-entzündlichen Zytokinen (z.B. Tumor-Nekrosefaktor a (TNFa), Interleukine (IL) wie IL-1b und IL-8) mit contra-entzündlichen Zytokinen (z.B. IL-4 und IL-10) verursacht offenbar einen wesentlichen Teil der Krankheitszeichen. Es besteht eine Verwandschaft zu rheumatischen Erkrankungen. Die Therapie bei beiden Erkrankungen erfolgt konservativ (Glukokortikoide, Aminosalizylate, Immunsuppressiva und Immunmodulatoren) oder operativ (chirurgische Entfernung von stark befallenen Abschnitten; siehe Patienteninfo der Chirurg. Klinik).

Es gibt aber auch Unterschiede:

   -  Colitis ulcerosa = ulcerative colitis
Die Colitis ulcerosa befällt vor allem den Dickdarm. Sie beginnt im Rektum und breitet sich ohne Unterbrechung nach oben aus (kontinuierlicher Befall nach proximal). Die Schädigung ist auf die Epithelschicht (Mukosa) beschränkt, durchdringt also im Gegensatz zu M. Crohn nicht die gesamte Darmwand. Das typische Symptom ist die blutige Diarrhoe, oft zusammen mit schleimigen oder sogar eitrigen Stuhlbeimengungen sowie Bauchschmerzen.

   -  Morbus Crohn = Crohn-Erkrankung = Ileitis terminalis = Ileitis regionalis
M. Crohn kann alle Abschnitte des Magen-Darmtraktes befallen. Neben dem fast immer befallenen Dünndarm existieren oft weitere entzündete Abschnitte (dazwischen unbefallene Abschnitte = diskontinuierlicher Befall). Die Schädigung durchdringt die gesamte Darmwand (transmuraler Befall), so daß sich Fisteln und Stenosen ausbilden können. Es treten schubweise Diarrhoen und Schmerzen nach dem Essen auf. Nicht selten kommt es schon vor Beginn der Darmbeschwerden zu Symptomen außerhalb des Darmes, z.B. Gelenkbeschwerden. Wenn alle oben genannten Therapieformen ohne Erfolg bleiben, können u.U. TNFa-Antikörper eingesetzt werden.

Web-Seiten:

Eigene Publikationen:

Zöliakie = einheimische Sprue = gluteninduzierte Enteropathie = celiac disease

In den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel (nicht jedoch in Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Kastanienmehl) ist das Protein Gluten mit seinem Bestandteil Gliadin enthalten. Bei der Zöliakie besteht eine Unverträglichkeit des Dünndarmepithels gegen Gluten. Bei Gluten-Zufuhr kommt es zum Abbau der Darmzotten und zur Abflachung der Dünndarmschleimhaut. Da fast alle Nahrungsbestandteile in den Dünndarmzotten aufgenommen werden, kommt zu Durchfall, Vitaminmangel und Unterernährung. Therapie: Lebenslange Vermeidung der glutenhaltigen Getreidesorten.

Web-Seite:
  - Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V.

Eigene Publikationen:

Diarrhoe (Durchfall)

Diarrhoe kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Folgende Mechanismen kommen in Frage [Fromm, 1994]:

Die Leckflux-Diarrhoe ist erst seit kürzerer Zeit bekannt; daher wird sie hier ausführlicher vorgestellt. Sie wird durch eine epitheliale Barrierestörung verursacht. Ursache ist fast immer eine ungenügende Abdichtung der Tight junctions; dadurch können gelöste Stoffe und Wasser ins Lumen zurückströmen (Leckflux) und werden in der weiteren Passage nicht mehr resorbiert.

Beispiel: Cholera-Toxin verursacht eine schwere sekretorische Diarrhoe (über 5 Liter pro Tag). Bei dem Versuch, einen gegen Cholera wirksamen Impfstoff herzustellen, wurde ein Stamm, CVD101, geschaffen, der keine sekretorische Diarrhoe verursacht. Erstaunlicherweise verursachte dieser Stamm ebenfalls eine Diarrhoe mit einem Stuhlvolumen von immerhin 1 Liter pro Tag [Levine et al., 1988]. Es zeigte sich, daß CVD101 die Epithelleitfähigkeit stark erhöht. Zugleich waren die tight junctions in ihrer Struktur beeinträchtigt [Fasano et al., 1991]. Dies bedeutet, daß eine Diarrhoe allein durch einen Barrieredefekt der tight junctions ausgelöst werden kann.

Eigene Publikationen:

Allgemeines zu Darmerkrankungen

Artikel "Kranker Darm: Hilfe und richtige Vorsorge" aus der Berliner Morgenpost, 23. 3. 2000, Beiträge von Prof. Riecken, Prof. Buhr, Privatdozent Dr. Kroesen, Prof. Deter u.a.

Eine Erkrankung der Nieren:
Familiäre Hypomagnesiämie

Das familiäre Hypomagnesiämie-Hypercalciurie-Nephrocalcinose-Syndrom (FHHNC, MIM 248250) ist eine autosomal rezessiv vererbte Erkankung, bei der die Nieren nicht in der Lage sind, Magnesium (und Calcium) im Körper zu behalten, so dass trotz normaler Zufuhr ein Magnesiummangel auftritt. Magnesium wird normalerweise, nachdem es in die Nierentubuli filtriert wurde, aus diesen wieder ins Blut aufgenommen und so dem Körper erhalten. Diese Aufnahme (=Resorption) findet fast ausschließlich in einem einzigen Abschnitt der Nierentubuli statt, im dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife. 

Beteiligt an der Magnesiumresorption ist das Tight Junction-Protein Claudin-16 (früherer Name: Paracellin-1). Mutationen von Claudin-16 geht mit einer gestörten Resorption von Magnesium einher. Diese unzureichende Resorption von Magnesium führt zu einer vermehrten Ausscheidung von Magnesium (=Hypermagnesiurie) und Magnesiummangel im Blut (=Hypomagnesiämie). Ähnliches gilt für Calcium: Eine erhöhte Calciumausscheidung (=Hypercalciurie). Als Folge können Steinleiden der Harnwege (=Urolithiasis) und Verkalkungen der Nieren (=Nephrocalcinose) auftreten.

Eigene Publikationen hierzu:

Liste der eigenen Publikationen mit Bezug zur Niere: hier